150 Jahre Hannover-Altenbekener Eisenbahn (m. Bildern)

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Michael Bahls
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150 Jahre Hannover-Altenbekener Eisenbahn (m. Bildern)

Beitrag von Michael Bahls »

Hallo Allerseits,


die Hannover-Altenbekener Eisenbahn wurde 1868 konzessioniert und die Hauptstrecke (sowie eine Strecke den Deister entlang) nach Verzögerungen durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 "auf den letzten Drücker" im Dezember 1872 fertiggestellt. Das Netz wurde bis 1875 noch durch eine Verbindung Löhne - Hameln - Vienenburg und eine Stichstrecke in Hannover erweitert; hier will ich an das Jubiläum der Hauptstrecke erinnern und auf eine Ausstellung hinweisen.
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Das Empfangsgebäude der HAE, "Hannover Localbahnhof" stand am späteren Südbahnhof und wurde mit der Verstaatlichung 1880 dort obsolet, woraufhin es abgebaut und nach Halle /Westf versetzt wurde, wo es auf dieser Ansichtskarte von 1905 zu sehen ist. Die Züge der ehem. HAE begannen daraufhin am gerade großzügig neuerbauten Hauptbahnhof.

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Der erste Fahrplan; sowohl die Deisterstrecke nach Haste als auch die Hauptstrecke nach Altenbeken waren noch nicht durchgängig befahrbar.

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Die HAE besaß 60 Lokomotiven dreier Bauarten, die alle in Linden bei Strousberg, später Hanomag, gebaut wurden. Der umtriebige Eisenbahnkönig Strousberg - eine Art antiker Elon Musk - hatte zu der Zeit dermaßen große Projekte, daß er kurzerhand die Lokfabrik Egestorff nach dem Tod des Besitzers gekauft und für eine Art Fließbandproduktion erweitert hatte, wo vier modular aufgebaute Typen für seine Bahnen entstanden; eine 1A1, eine B1-Gemischtzuglok, eine C-Güterzuglok und eine 1B-Personenzuglok wie auf obigem Bild. Die hier abgebildete Maschine der Reichseisenbahn Elsaß-Lothringen war baugleich mit den HAE-Maschinen. Die EL wurden zulasten der HAE bevorzugt mit Lokomotiven beliefert, was nicht so stark ins Gewicht fiel, da durch den Krieg auch viele für den Bau der Bahn nötigen Arbeiter ohnehin nicht verfügbar waren.


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Hameln wurde das Herzstück der HAE, wo sich die Altenbekener und die Löhner Strecke kreuzten. Das Empfangsgebäude war das größte der HAE und steht, wenn auch nach einem Brand modernisiert, in der Struktur noch heute.


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Steinheim/Westf. bekam 1897 eins der damals gerne genommenen Kaiser-Wilhelm-Denkmäler, das auch heute noch als eins der Wenigen existiert. Das Empfangsgebäude von der gleichen Bauart wie das aus Hannover-Localbahnhof wurde hingegen 1930 durch einen Zweckbau ersetzt.


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Schieder war der erste Bahnhof im Fürstentum Lippe; das Empfangsgebäude besaß ein extra Fürstenzimmer und es ranken sich einige Anekdoten um die Eigenarten der Obrigkeit, die bis hin zum Umpinseln der Signalanlagen ins Lippische Rot-Gelb gingen, weil man das Schwarz-Weiß für die Farbe der Preußen hielt. Das Empfangsgebäude wurde in den 80er Jahren durch einen Neubau ersetzt; leider fand sich kein Liebhaber, der das alte Gebäude gratis gegen Abbau bekommen hätte.
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Der Rehbergtunnel war schon von der Königlich-Westphälischen Eisenbahn gebaut wurden und es gab in den ersten Jahren bis zur Verstaatlichung recht eigentümliche Betriebsvorschriften, die die Durchfahrt der Züge beider Gesellschaften regelten.

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In Ronnenberg zeigen sich das alte und das neue Empfangsgebäude nebeneinander; der Neubau der Empfangsgebäude stand in etlichen Orten im Zusammenhang mit der über ein Jahrzehnt dauernden Umstellung der Hauptstrecke auf zweigleisigen Betrieb.

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Das Ostportal des Rehbergtunnels; man beachte die Oberleitung nach Schweizer Vorbild.

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Blick aus dem Stellwerk Af in Altenbeken; das Bw-Gelände Rechts ist das ehemalige HAE-Betriebsgelände und mußte erst aufwendig aufgeschüttet werden.

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1971 war die Elektrifizierung der Strecke Hannover - Altenbeken vollzogen worden; hier der erste elektrische Zug in Steinheim/Westf. Die Vorserien-103 war später noch öfter bei Testfahrten auf dieser Strecke zu Sehen.

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Die Strecke wurde auch wegen ihres Kurvenreichtums und ihrer relativen Nähe interessant für das BZA Minden, welches daher dort recht häufig Testfahrten durchführte, wie etwa 1975 und 1978 mit dem 403 zwischen Bad Münder bzw.Bad Pyrmont und Steinheim/Westf., hier zwischen Noltehof und Wöbbel.
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Ein Sonderzug zwischen Wöbbel und Steinheim.
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Die DB legte in den 90er Jahren interessante Dampflok-Programme auf, die auch die Hannover - Altenbekener Strecke zwischen Hameln und Altenbeken sowie die Löhner Strecke betrafen. Hier ein solcher Sonderzug bei Himmighausen.


Da die DB, wie in letzter Zeit so üblich, auch für diese Strecke keine Jubiläumsaktivitäten zeigt, hat sich eine kleine Gruppe für eine Ausstellung zusammengetan, welche am 20.November 2022 im Möbelmuseum Steinheim/Westf. eröffnet wird und die bis zum 18. Dezember jeweils Mittwochs und Sonntags von 14 - 17 Uhr geöffnet ist. Es werden unter Anderem Dokumentationen, Bilder und Pläne der HAE sowie diverse Modelle gezeigt.


Um reges Erscheinen wird gebeten! ;)

Viele Grüße,
Michael
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