Rettet die Nachtzüge!

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Axel Hempelmann
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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von Axel Hempelmann » Mo 30. Mai 2016, 08:34

Irgendwie komisch, ich höre seit langem, dass die DB die Nachtzüge mangels Nachfrage einstellen will... und habe trotzdem Mühe, für meinen "Stammzug" CNL 0419 überhaupt Fahrkarten zu bekommen. Gestern abend mussten sogar in Arnheim einige Personen, die meinten, ohne Reservierung einsteigen zu können, mithilfe der örtlichen Polizei aus dem Zug entfernt werden - es gibt keine freien Plätze... dafür dann 45 Minuten Verspätung. Der Zug war, wie fast immer, völlig ausgebucht!

Ich nutze die Nachtzüge derzeit ca. jedes zweite Wochenende - gelegentlich muss ich, da nicht einmal in der ersten Klasse Fahrkarten zu bekommen sind, sogar den Fernbus buchen. Das ist zwar erheblich billiger, aber ich bin noch länger unterwegs und für 14 Std. Fahrt ist ein Liegesitz eigentlich keine Alternative.

Natürlich ist das jetzt nur ein Spotlight und nicht repräsentativ für alle Nachtzug-Verbindungen. Ich denke, dass selbst dieser Zug von Mittwoch auf Donnerstag längst nicht so gefragt ist, wie am Wochenende. Dennoch zeigt es, dass durchaus Nachfrage nach solchen Zügen besteht. Allerdings müsste die Bahn auch ein wenig an der Qualität arbeiten... und vor allem die Nachtzug-Verbindungen auch in die normale Fahrplanauskunft integrieren. Selbst wenn ich weiß, wann der Zug fährt, bekomme ich ihn online nicht unbedingt angezeigt - so kann man Nachfrage auch regulieren...

Viele Grüße, Axel

Torsten83
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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von Torsten83 » Mo 30. Mai 2016, 10:32

Hallo Axel,

die DB hat selber eingestanden, dass nicht alle Nachtverbindungen grundsätzlich unwirtschaftlich sind. Allerdings sind sie auch nicht so wirtschaftlich, dass die dringend notwendige Investition in neues Wagenmaterial gerechtfertigt werden kann. Für die bereits eingestellte Verbindung nach Paris wurden die Zahlen ungewöhnlich weit offen gelegt, dennoch probiert sich auch daran nun kein Privater - sind die Privatbahnen jetzt genauso dumm wie die DB und lassen das dicke Geld liegen oder erscheint auch denen das Invest zu sehr mit Risiko behaftet?

Die besseren Verbindungen erwirtschaften wohl ein deutlich positives Brutto-Ergebnis vom Umsatz, soweit so gut. Wenn man neues Wagenmaterial zu Grunde legt (es müssen nun einmal jetzt ALLE Liegewagen, sämtliche Autotransporter und alle Gastronomiewagen ausgetauscht werden, die Schlafwagen hingegen sind erst Neubauten aus den 00er Jahren), muss dieses aber finanziert werden, die Abschreibung auf die neuen Wagen muss getragen werden und wenn man es ganz ehrlich rechnet, dann müssen auch Nachtzüge einen Teil der Verwaltungskosten tragen. Unterm Strich besteht ein Unternehmer nur, wenn alle operativen Bereiche zusammen genug erwirtschaften, um auch den Kopf zu tragen. Scheinbar kann und will es sich die DB nicht mehr leisten, den schwachen Bruder selber durchzuschleppen,

Voller Zug = viel Umsatz = wirtschaftlich ist eine Milchmädchenrechnung. Umsatz und Ertrag sind einfach zweierlei Dinge ;)
Wie teuer müsste die Fahrkarte sein, damit der Zug wirtschaftlich fahren kann und wie hoch wäre dann noch die Auslastung? Das sind Fragen, die nur eine Feldstudie hätte klären können, die Zeit gibt die Bahn dem System aber nicht mehr.

Am Ende ist mir gar nicht so klar, ob die DB wirklich den Nachtzug einstampft oder ob sie nicht nur die ÖBB damit beauftragt, denn City Night Line zu betreiben? Denn in den Kindergeschichten der Bahn wurde gerade erst neu die Figur Nick Nachtzug integriert, die auch in den IC2 Doppelstocksteuerwagen an den Wänden des Kinderabteils zu finden ist: Bild http://www.der-kleine-ice.de/bahn-kinde ... htzug.html das macht eigentlich aus Konzernsicht keinen Sinn, so kurz vor dem Ende noch neue Merchandiseprodukte zu kreieren, wenn der ÖBB Nachtzug nicht gleichzeitig ein DB CNL sein wird. Auch interessant die Frage der Farbwahl für den kleinen NICK, das klassische nachtblau tragen CNL Wagen seit Jahren nicht...

Klaus M
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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von Klaus M » Mo 30. Mai 2016, 11:17

vielleicht sollen ja auch Fernnachtbusse kommen, wie auf der anderen Seite des großen Teichs: http://www.auto-motor-und-sport.de/news ... 90982.html

Klaus

wernerle2
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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von wernerle2 » Mo 30. Mai 2016, 12:25

Klaus M hat geschrieben:vielleicht sollen ja auch Fernnachtbusse kommen, wie auf der anderen Seite des großen Teichs ...
Hatte ich von Mi auf Do und von Do auf Fr zwischen Bonn und Berlin.
Und Halbliegesitz reicht völlig aus solange man angeschnallt bleibt (hat die Göre neben mir ab Hamm dann auch gemacht :d+w: )

Torsten83
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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von Torsten83 » Di 31. Mai 2016, 13:12

Halo,

hier eine freudige Nachricht der Freunde von Nachtzügen generell: http://www.zugreiseblog.de/oebb-nachtzuege-deutschland/

Die ÖBB wird demnach unter anderem ab Ende des Jahres betreiben:

Hamburg – Frankfurt – Nürnberg – Passau – Wien
Düsseldorf – Frankfurt – Nürnberg – Passau – Wien
Düsseldorf – Frankfurt – Nürnberg – München – Innsbruck
Hamburg – Frankfurt – Nürnberg – München – Innsbruck
Zürich – Frankfurt – Erfurt – Berlin – Hamburg

Dafür werden IC Wagen umgebaut und neue Wagen angeschafft.

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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von Gunnar Häberer » Di 31. Mai 2016, 16:18

Eine Sache will mir partou nicht in den Kopf!
Wie kommt es, dass sich die ÖBB offenbar Gewinnmöglichkeiten mit dem Betrieb dieser Destinationen erhofft?
Die DB hat doch auch mit dem Argument, dass der Betrieb unrentabel sei, auch diese Strecken aufgegeben!
Hat die ÖBB offenbar doch die besseren Manager? Anders herum könnte ich mir einen Herrn Grube schlecht als Bundeskanzler vorstellen!

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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von zettie94 » Di 31. Mai 2016, 16:51

Naja, Schweiz-Berlin-Hamburg macht die ÖBB aus zwei Zügen einen (eigentlich sogar aus 4, aber die nach Prag und Amsterdam werden nicht weitergeführt). Und ob die Züge wirklich rentabel sind, ist auch nicht ganz klar. Da sind bestimmt auch irgendwo Subventionen im Spiel. Die Nachtzüge weiterzuführen oder nicht ist deshalb mehr ein politischer Entscheid, als ein unternehmerischer. Ohne Unterstützung der Politik wären die Nachtzüge auch in Österreich nicht rentabel, jedenfalls nicht solange die Subventionen für den Flugverkehr bleiben.
Die DB gibt jetzt alle Strecken auf, weil sie kein Geld mehr für neues Rollmaterial in die Hand nehmen will. Da spielt es keine Rolle, wenn einzelne Strecken möglicherweise rentabel sind.

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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von Torsten83 » Di 31. Mai 2016, 17:06

Die ÖBB hat noch etwas, was die DB nicht hat: reichlich jüngeres Wagenmaterial und wohl auch deutlich geringere Lohnkosten. Wobei ich bisher dachte, dass in Deutschland ein DB Lokführer am Steuerpult sitzt?

Außerdem muss man natürlich auch keinen Pofalla durchschleppen ;)

An Julians Punkt könnte schon was dran sein. Die ÖBB soll sich auch im Ausland präsentieren und erhält nach Ansicht einiger wohl auch verdeckte Subventionen über den Betrieb des Regionalverkehr.

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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von 1987 » Di 31. Mai 2016, 17:55

Hallo Julian,

direkte Subventionen an die ÖBB zur Finanzierung des Nachtzugverkehrs wären wettbewerbsbeeinflussend und nach EU-Recht unzulässig. Da würde die Kommission einschreiten. Subventionen sind nur in wenigen, genehmigten Ausnahmefällen (hier siche rnciht zutreffend) und für die Infrastrutktur, die eben alle nutzen, zulässig. Das kann also nicht den entscheidenden Faktor ausmachen. Indirekte Subventionen mag es geben, da kenne ich die "Verdachtslage" gegen die ÖBB nicht. Folglich enthalte ich mich da einer Einschätzung bzw. Meinung. Die DB steht allerdings seit Jahren im Verdacht, verdeckte Subventionen für die Infrasturktur zu erhalten und sie ins Wettbewerbsgeschäft zu verschieben. Da sie aber > 100 Tochtergesellschaften hat und Konzernverrechnungen an der Tagesordnung sind, konnte die EU das bislang nicht beweisen. Käme es anders, wäre das wohl ein Desater für das Staatsunternehmen, was Rückzahlungen inkl. Zinsen betrifft.


Holger

Axel Hempelmann
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Re: Rettet die Nachtzüge!

Beitrag von Axel Hempelmann » Di 31. Mai 2016, 18:07

wernerle2 hat geschrieben:
Klaus M hat geschrieben:vielleicht sollen ja auch Fernnachtbusse kommen, wie auf der anderen Seite des großen Teichs ...
Hatte ich von Mi auf Do und von Do auf Fr zwischen Bonn und Berlin.
Und Halbliegesitz reicht völlig aus solange man angeschnallt bleibt (hat die Göre neben mir ab Hamm dann auch gemacht :d+w: )
Hallo Werner,

ich fahre derzeit immer freitagsnachts im CNL von München nach Utrecht (+ weitere zwei Stunden mit dem Zug innerhalb der NL) und in der Nacht von Sonntag auf Montag wieder zurück. Mangels Kapazität bei der DB mußte ich in letzter Zeit auch häufiger den Fernbus nehmen; somit kann ich jetzt ganz gut vergleichen. Ich fahre sonst innerdeutsch häufig mit dem Fernbus - aber 11 Std. Liegesitz ersetzt mir wirklich nicht das Schlafwagenabteil... egal, ob ich im Bus angeschnallt bin oder nicht; selbst Liegewagen wäre da noch erholsamer.

Wenn ich mit dem Zug morgens um 7:00 Uhr in München ankomme, habe ich geduscht und gefrühstückt und kann unmittelbar meinen Arbeitstag beginnen - nach der Busfahrt bräuchte ich eigentlich immer zuerst einen Besuch beim Chiropraktiker, der meine Knochen wieder in die von der Natur vorgesehene Anordnung bringt ;)

Ich finde es toll, dass die ÖBB da bei den wegfallenden CNL in die Bresche springen will - leider sehe ich bislang für "meinen" Zug keinen Ersatz :? So werde ich dann wohl künftig Kunde der KLM werden...

Viele Grüße, Axel

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