Energetische Nachbetrachtungen zu einer Draisinenfahrt im Westerwald
Verfasst: So 6. Sep 2026, 11:21
Im Rahmen unseres jährlichen Familientreffen hatten wir dieses Jahr bei der Interessengemeinschaft Westerwaldquerbahn (IWQ) eine Draisinenfahrt von Fehl-Ritzhausen nach Rennerod und zurück gebucht. Auf der Webseite der IWQ findet man eine Videoaufnahme zu der Draisinenfahrt, die den Eindruck erweckt, dass das Ganze ein recht entspannter Ausflug wird. Um es vorweg zu nehmen, wir wurden eines Besseren belehrt.
An den „Steilstellen“ der Strecke war das Ganze eine ziemliche Plackerei, die Ehrfurcht vor den Gleisarbeitern von damals aufkommen ließ.
Die IWQ besitzt unter anderem zwei Nachbauten einer Handhebeldraisinen Typ 47 der Firma Draisinenbau Hamburg, die einzeln leer ca. 400 Kilogramm auf die Waage bringen. Für die Fahrt waren die beiden Draisinen gekuppelt und mit 16 Fahrgästen plus 3 Begleitern der IWQ besetzt. Geht man von einem üblicherweise verwendeten Durchschnittsgewicht von 75 Kilogramm pro Person aus, dann hatte unser Gespann ein Gesamtgewicht von etwas mehr als 2,2 Tonnen. Auf Wikipedia findet man in der Streckenbeschreibung der Westerwaldquerbahn Herborn-Montabaur die Länge und den Höhenunterschied der zurückgelegten Strecke, wobei der Wendepunkt noch ein Stück hinter dem ehemaligen Bahnhof Rennerod lag. In Summe haben wir bei der Bergauffahrt 45 Höhenmeter auf 6,3 km Strecke bezwungen, was einer durchschnittlichen Steigung von ca. 7 Promille entspricht. Laut den Begleitern der IWQ war die steilste Stelle vor der Einfahrt in den ehemaligen Bahnhof Rennerod mit etwas mehr als 20 Promille dreimal so steil.
Die bei der Bergfahrt erbrachte Arbeit entspricht hauptsächlich der potentiellen Energie, die sich als Produkt aus der Masse, dem Höhenunterschied und der Erdbeschleunigung berechnen lässt. Das Ergebnis klingt mit rund einem Megajoule erst mal gewaltig, vergleicht man es aber mit dem Energiegehalt von Vollmilchschokolade, entspricht es mit 44 Gramm nicht mal einer halben Tafel.
Etwas ernüchternd ist auch die Betrachtung der Schwungenergie des Gefährts. Beim Abbremsen von 14,4 km/h ≙ 4 m/s auf 3,6 km/h ≙ 1 m/s wird nur eine Energie von ca. 22.400 Joule freigesetzt.
Geschätzt haben wir für die Bergfahrt abzüglich der Pausen ca. 45 Minuten benötigt, was 2700 Sekunden entspricht. Gemäß der Formel, Leistung ist gleich Arbeit pro Zeit, ergibt sich eine durchschnittliche Teamleistung von 364 Watt, die von 10 Personen an den Handhebeln erbracht wurde, also im Schnitt 36,4 Watt pro Person. Allerdings wird diese Leistung nicht gleichmäßig erbracht, sondern nur während der Abwärtsbewegung des Handhebels. Bei der Aufwärtsbewegung soll man laut Rat der IWQ-Begleiter nicht am Hebel ziehen, um das Rückgrat nicht zu überlasten. Aber das ständige Wiederaufrichten verschlingt natürlich auch Energie. Mit einer Aufteilung 60 Watt während der Abwärtsbewegung und 13 Watt während der Aufwärtsbewegung ergibt sich der oben genannte Durchschnittswert. Da die Umlenkung der Auf- und Ab-Bewegung in eine Drehbewegung, wie im obigen Bild zu sehen ist, über eine Pleuelstange und eine Kurbelwelle erfolgt, verläuft die Krafterbringung eher Sinusförmig. Somit ergibt sich als Spitzenleistung bei der Abwärtsbewegung das Wurzel-zwei-fache, also etwas 85 Watt. Da die Steigung an den steilsten Stellen das Dreifache des Durchschnitts betrug, wären wir wahrscheinlich ohne die extrem tatkräftige Unterstützung der IWQ-Begleiter nicht bis Rennerod gekommen. Zum Glück hat es doch geklappt und wir wurden im ehemaligen Bahnhof Rennerod mit einem Blick in den Lokschuppen der IWQ belohnt. Dort stand neben einem KLV 12 noch eine selbstgebaute Draisine mit einem Benzinmotor, die die Tour sicherlich deutlich bequemer gemacht hätte. Damit wäre mein Poloshirt sicher nicht so schweißgetränkt gewesen wie auf dem Foto.
Trotz, oder grade wegen der körperlichen Anstrengung war das Ganze ein großer Spaß, und ich kann denjenigen, die am Wochenende mal auf den Höhen des Westerwalds unterwegs sind, nur empfehlen zu versuchen eine Draisinenfahrt bei der IWQ zu buchen. Womit ich auch das Versprechen, Werbung für die Draisinenfahrten zu machen, erfüllt habe.
Die IWQ besitzt unter anderem zwei Nachbauten einer Handhebeldraisinen Typ 47 der Firma Draisinenbau Hamburg, die einzeln leer ca. 400 Kilogramm auf die Waage bringen. Für die Fahrt waren die beiden Draisinen gekuppelt und mit 16 Fahrgästen plus 3 Begleitern der IWQ besetzt. Geht man von einem üblicherweise verwendeten Durchschnittsgewicht von 75 Kilogramm pro Person aus, dann hatte unser Gespann ein Gesamtgewicht von etwas mehr als 2,2 Tonnen. Auf Wikipedia findet man in der Streckenbeschreibung der Westerwaldquerbahn Herborn-Montabaur die Länge und den Höhenunterschied der zurückgelegten Strecke, wobei der Wendepunkt noch ein Stück hinter dem ehemaligen Bahnhof Rennerod lag. In Summe haben wir bei der Bergauffahrt 45 Höhenmeter auf 6,3 km Strecke bezwungen, was einer durchschnittlichen Steigung von ca. 7 Promille entspricht. Laut den Begleitern der IWQ war die steilste Stelle vor der Einfahrt in den ehemaligen Bahnhof Rennerod mit etwas mehr als 20 Promille dreimal so steil.
Die bei der Bergfahrt erbrachte Arbeit entspricht hauptsächlich der potentiellen Energie, die sich als Produkt aus der Masse, dem Höhenunterschied und der Erdbeschleunigung berechnen lässt. Das Ergebnis klingt mit rund einem Megajoule erst mal gewaltig, vergleicht man es aber mit dem Energiegehalt von Vollmilchschokolade, entspricht es mit 44 Gramm nicht mal einer halben Tafel.
Geschätzt haben wir für die Bergfahrt abzüglich der Pausen ca. 45 Minuten benötigt, was 2700 Sekunden entspricht. Gemäß der Formel, Leistung ist gleich Arbeit pro Zeit, ergibt sich eine durchschnittliche Teamleistung von 364 Watt, die von 10 Personen an den Handhebeln erbracht wurde, also im Schnitt 36,4 Watt pro Person. Allerdings wird diese Leistung nicht gleichmäßig erbracht, sondern nur während der Abwärtsbewegung des Handhebels. Bei der Aufwärtsbewegung soll man laut Rat der IWQ-Begleiter nicht am Hebel ziehen, um das Rückgrat nicht zu überlasten. Aber das ständige Wiederaufrichten verschlingt natürlich auch Energie. Mit einer Aufteilung 60 Watt während der Abwärtsbewegung und 13 Watt während der Aufwärtsbewegung ergibt sich der oben genannte Durchschnittswert. Da die Umlenkung der Auf- und Ab-Bewegung in eine Drehbewegung, wie im obigen Bild zu sehen ist, über eine Pleuelstange und eine Kurbelwelle erfolgt, verläuft die Krafterbringung eher Sinusförmig. Somit ergibt sich als Spitzenleistung bei der Abwärtsbewegung das Wurzel-zwei-fache, also etwas 85 Watt. Da die Steigung an den steilsten Stellen das Dreifache des Durchschnitts betrug, wären wir wahrscheinlich ohne die extrem tatkräftige Unterstützung der IWQ-Begleiter nicht bis Rennerod gekommen. Zum Glück hat es doch geklappt und wir wurden im ehemaligen Bahnhof Rennerod mit einem Blick in den Lokschuppen der IWQ belohnt. Dort stand neben einem KLV 12 noch eine selbstgebaute Draisine mit einem Benzinmotor, die die Tour sicherlich deutlich bequemer gemacht hätte. Damit wäre mein Poloshirt sicher nicht so schweißgetränkt gewesen wie auf dem Foto.
Trotz, oder grade wegen der körperlichen Anstrengung war das Ganze ein großer Spaß, und ich kann denjenigen, die am Wochenende mal auf den Höhen des Westerwalds unterwegs sind, nur empfehlen zu versuchen eine Draisinenfahrt bei der IWQ zu buchen. Womit ich auch das Versprechen, Werbung für die Draisinenfahrten zu machen, erfüllt habe.